Drittmittelgeförderte Projekte

Das liberale Skript in den umstrittenen Grenzregionen der Ukraine

Projektkoordinator*innen: Prof. Dr. Gwendolyn Sasse und Dr. Sabine von Löwis (ZOiS), Prof. Dr. Christian Volk (Freie Universität Berlin)

Dieses Projekt ist Teil des Exzellenzclusters “Contestations of the Liberal Script (SCRIPTS)”, koordiniert von der Freien Universität Berlin. Es wurde innerhalb der Forschungseinheit “Borders” konzipiert, die zum Cluster gehört.

Projektbeschreibung

Ziel dieser an der Schnittstelle von Geographie, Politikwissenschaft und Anthropologie angesiedelten Studie ist es, die unterschiedlichen Formen zu untersuchen, in denen das liberale Skript in Grenzregionen infrage gestellt wird. Besondere Schwerpunkte sollen dabei auf Fragen der Souveränität, Mobilität und des Verhältnisses von Individual- und Gruppenrechten liegen. Die Fallstudie Ukraine bietet interessante Vergleichsvariationen hinsichtlich der Interessen und Praktiken, die in unterschiedlichen Grenzregionen eine Rolle spielen. Dadurch hat er Relevanz für einen größeren, vergleichenden und transregionalen Kontext. Erstens gehören die russische Annexion der Krim und der laufende Krieg in der Ostukraine zu den eklatantesten, gegenwärtigen Infragestellungen des liberalen Skripts, wie es im internationalen Recht verankert ist. Zweitens sind die westlichen Regionen der Ukraine, die an die Europäische Union (EU) grenzen, durch eine Spannung zwischen Mobilität und kontrolliertem Zugang sowie durch die Konfrontation konkurrierender Vorstellungen von Nationalstaatlichkeit und der durch sie gestützten politischen Regime (zum Beispiel beiderseits der ukrainisch-ungarischen Grenze) geprägt. Drittens verdeutlicht die Grenze der Ukraine zu Transnistrien – ein zwischen der Republik Moldau und der Ukraine liegender De-Facto-Staat – die praktischen und sicherheitspolitischen Implikationen einer umstrittenen Grenze auf benachbarte Staaten. Die Durchführbarkeit der qualitativen Datenerhebung wurde in der mit Geldern der Forschungseinheit Borders 2019 durchgeführten Pilotstudie “Umstrittene Grenzregionen in der Ukraine” getestet. Die neuen Daten werden für politische Entscheidungsträger*innen in Europa von Interesse sein und eröffnen Möglichkeiten, die breitere Öffentlichkeit einzubeziehen, indem sie unterschiedliche Erfahrungen an den Grenzen lebendig werden lassen. Das Projekt erweitert das internationale Netzwerk der SCRIPTS um Partner*innen in Osteuropa.

Methoden und Datenerhebung

Neu an diesem Projekt ist, dass unterschiedliche Grenzregionen und die verschiedenen Weisen, in denen in ihnen das liberale Skript infrage gestellt wird, gleichzeitig einer in die Tiefe gehenden, vergleichenden Analyse unterzogen werden. Vier Grenzregionen wurden für diese Studie ausgewählt, einschließlich zweier Grenzregionen, deren territorialer und rechtlicher Status äußerst unklar ist: die ukrainisch-russische Grenze, die ukrainisch-moldauische Grenze, die ukrainisch-ungarische Grenze und die ukrainisch-polnische Grenze.

Forschungsfragen

Die zentralen Forschungsfragen dieses Projekts sind:

  • Warum und wie wird das liberale Skript, wie es in nationaler Politik, internationalem Recht und den Normen und Vorschriften der EU verankert ist, in den ukrainischen Grenzregionen infrage gestellt?
  • Was sind die treibenden Faktoren und wer sind die Akteure, die das Skript infrage stellen?
  • Welche Effekte haben die verschiedenen Arten, wie es infrage gestellt wird auf die Wahrnehmungen, Praktiken und Identitäten derjenigen, die in den Regionen leben?
  • Wie wird das liberale Skript infolge dieser Herausforderungen aufrechterhalten und neu definiert?

Determinants of Mobilisation at Home and Abroad: Analysing the Micro-Foundations of Out-Migration & Mass Protest (MOBILISE)

MOBILISE ist ein von der Open Research Area (ORA) gefördertes internationales Verbundprojekt, an dem neben dem ZOiS mit Direktorin Prof. Dr. Gwendolyn Sasse als Principal Investigator Prof. Dr. Olga Onuch (University of Manchester), Prof. Dr. Jacquelien van Stekelenburg (Vrije Universiteit Amsterdam), Dr. Sorana Toma (ENSAE-CREST, Université Paris Saclay) beteiligt sind. Auf deutscher Seite wird das Projekt von der DFG gefördert.

Am ZOiS arbeiten seit Juni 2019 Dr. Piotr Goldstein als Postdoctoral Researcher und seit November 2019 Doktorand Kostiantyn Fedorenko an diesem Projekt. Sie sind vor allem an der Erhebung der quantitativen und qualitativen Daten in Polen und in der Ukraine sowie zu polnischen und ukrainischen Migrant*innen in Deutschland, Großbritannien und Spanien beteiligt. Zusammen mit den internationalen Partner*innen werden diese Daten mit den von den Partnerinstitutionen in Bezug auf Lateinamerika und Nordafrika erhobenen Daten verglichen.

Projektbeschreibung

Im Zentrum des MOBILISE Projekts steht die folgende Forschungsfrage: Warum reagieren einige Menschen auf gesellschaftlichen Unmut mit Protesten, während andere in die Emigration gehen? Wir verknüpfen die konzeptuellen Erwartungen aus der Migrationsforschung und der Forschung zu sozialen Protesten miteinander und untersuchen: a) ob es ähnliche Faktoren sind, die die Entscheidung für Migration und/oder Protest auf der Ebene des Individuums bestimmen; b) wie der jeweilige politische, soziale und wirtschaftliche Kontext diese Arten von Mobilisierung beeinflusst; c) ob die Optionen Migration und Protest unabhängig voneinander sind, oder ob sie sich gegenseitig verstärken, oder ob eine Option die andere unterdrückt.

MOBILISE verbindet verschiedene methodologische Ansätze (nationale repräsentative face-to-face Panel-Umfragen, Online-Umfragen unter Migrant*Innen; Direktumfragen unter Protestteilnehmenden, Fokusgruppen, narrative Interviews, Soziale Medien-Analyse) und ein Forschungsdesign, das zeitgleich an verschiedenen Standorten umgesetzt wird. Das Projekt konzentriert sich auf die Ukraine, Polen, Marokko und Brasilien - vier Länder, die in den letzten Jahren sowohl von signifikanter Emigration als auch von Protesten geprägt waren. Wir folgen den Migrant*innen aus diesen Ländern nach Deutschland, Großbritannien und Spanien.

MOBILISE verbindet in seiner Konzeption und empirischen Reichweite vier innovative Elemente:

  • Es verbindet die Phänomene Migration und Protest in einer Studie;
  • es erfasst alle für eine vergleichende Studie relevanten Gruppen (Protestierende, Migrant*innen, Migrant*innen, die protestieren, und Individuen, die sich weder für Migration noch für Protest entschieden haben);
  • es erfasst Individuen durch die Panel-Struktur der Umfragen über einen längeren Zeitraum hinweg;
  • es nutzt Soziale Medien als Zugang zu Echtzeit-Informationen über die Rolle von Netzwerken und politischen Transfers (political remittances).

Durch diese vier Dimensionen verspricht das Projekt, erstmals in diesem Umfang empirische Daten zu erheben, einen wichtigen Beitrag zur Theoriebildung in der Migrations- und Protestforschung zu leisten sowie einen Transfer von empirischen Erkenntnisse an Policy-Makers zu ermöglichen, die von zentraler Bedeutung für politische und wirtschaftliche Stabilität sind.

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Die Verbreitung von Erinnerungsgesetzen und die Rückkehr der Nation

Dr. Félix Krawatzek hat sich erfolgreich beim „Stipendienprogramm für Postdoktoranden“ der Daimler und Benz Stiftung beworben. Damit erhält er eine Förderung in Höhe von 40.000 Euro für sein ZOiS-Forschungsprojekt „Die Verbreitung von Erinnerungsgesetzen und die Rückkehr der Nation“.

Projektbeschreibung

Bei einem Teilprojekt im Rahmen des ZOiS-Forschungsprojekts Die Verbreitung von Erinnerungsgesetzen und die Rückkehr der Nation soll der Fokus auf Russland gelegt werden. Erinnerungsgesetze werden von Russland aktiv genutzt, um das geschichtliche Narrativ im Land zu kontrollieren und die eigene nationale Identität zu stärken. Sie geben damit einen rechtlichen Rahmen vor, der bestimmt, wie öffentlich über historische Ereignisse gesprochen werden kann. Solche Gesetze existieren jedoch nicht nur in autoritären Regimen, sondern auch in Demokratien. Das Projekt soll dazu beitragen, die politischen Dynamiken hinter der Verrechtlichung von Erinnerung und ihre gesellschaftliche Auswirkung zu verstehen. Die Drittmittel werden unter anderem  für die Erstellung einer Datenbank über Erinnerungsgesetzgebung und die Durchführung einer Umfrage in Russland genutzt.