Das liberale Skript in den umstrittenen Grenzregionen der Ukraine

Das liberale Skript in den umstrittenen Grenzregionen der Ukraine

IMAGO / Ukrinform

in Kooperation mit Prof. Dr. Christian Volk (Freie Universität Berlin)

Dieses Projekt ist Teil des Exzellenzclusters „Contestations of the Liberal Script (SCRIPTS)“, an dem neben der antragstellenden Freien Universität Berlin sechs weitere Wissenschaftseinrichtungen beteiligt sind: die Humboldt-Universität zu Berlin, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das German Institute of Global and Area Studies (GIGA), die Hertie School of Governance, das Leibniz-Zentrum Moderner Orient sowie das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Prof. Dr. Gwendolyn Sasse ist als Principal Investigator Mitglied der Research Unit „Borders“. Am ZOiS gehört es zum Forschungsschwerpunkt „Konfliktdynamiken und Grenzregionen“ unter der Leitung von Dr. Sabine von Löwis.  Seit Oktober 2020 arbeitet Dr. Rita Sanders als Postdoctoral Researcher an diesem Projekt.

Projektbeschreibung

Das liberale Script, verstanden als Ideen und Vorgaben für die Organisation von Gesellschaften auf der Basis des Kernprinzips der individuellen Selbstbestimmung, steht unter Druck. Einige der größten Herausforderungen für liberale Demokratien gehen von autoritären Staaten sowie nichtstaatlichen Gewaltakteuren aus, die liberale Werte ablehnen. Die Fallstudie Ukraine untersucht, inwiefern das liberale Script ideenstiftend und handlungsweisend ist und welche alternativen Konzepte vorherrschen, um staatliche, soziale und kulturelle Grenzziehungen zu erklären und durchzusetzen.  Besondere Schwerpunkte liegen dabei auf Fragen der Souveränität, der Mobilität und des Verhältnisses von Individual- und Gruppenrechten.

An der Schnittstelle von Geographie, Politikwissenschaft und Sozialanthropologie werden im Rahmen der Studie vier unterschiedliche Grenzregionen vergleichend untersucht, einschließlich zweier Grenzregionen, deren territorialer und rechtlicher Status äußerst unklar ist: die ukrainisch-russische Grenze, die ukrainisch-moldauische Grenze, die ukrainisch-ungarische Grenze und die ukrainisch-polnische Grenze. Die in Frage gestellte Souveränität der ukrainischen Grenzen in den Konfliktgebieten beeinflusst auch andere ukrainische Grenzregionen und führt zu neuen Herausforderungen. Im Fokus stehen insbesondere die Auswirkungen der Mobilität über Grenzen hinweg und damit die massiven Einschränkungen nach Osten auf der einen und die Öffnung nach Westen auf der anderen Seite. Diese haben Einfluss auf Handelsbeziehungen und Grenzökonomien, aber auch auf Verständigungs- und Austauschprozesse im Alltag der Grenzbewohner*innen.

Kernfragen

  • Welche Bedeutung und Relevanz haben kulturelle, politische und wirtschaftliche Grenzziehungen für den Alltag von Grenzbewohner*innen und ihre Sicht auf ein liberales Script?
  • Welche lokalen Akteure (Wirtschaftsunternehmen, staatliche lokale Institutionen, anderweitige Netzwerke, Initiativen etc.) wirken vertrauensbildend, identitätsstiftend und/oder fördern soziale Beziehungen?
  • In welchem Verhältnis stehen individuelle Sichtweisen und Grenzpraktiken zu regionalen und nationalstaatlichen Dynamiken und wie werden dabei Kernthemen des liberalen Scripts verhandelt?

Projektkoordinatorinnen