Die Beziehung zwischen Orbán und Trump: Segen oder Fluch?
Kurz vor der Parlamentswahl in Ungarn liegt die regierende Fidesz-Partei in Umfragen hinter der Oppositionspartei Tisza. Um seine Wiederwahl doch noch zu sichern, zählt Ministerpräsident Orbán auf Schützenhilfe durch US-Präsident Trump. Ob dieser allerdings für den nötigen Aufwind sorgen kann, ist fragwürdig.
Am 12. April finden in Ungarn Parlamentswahlen statt. In den Umfragen führt seit Monaten die Opposition, während die Regierung von einem Skandal nach dem anderen erschüttert wird. Der Wahlkampf des Regimes bietet wenig Neues und setzt stattdessen wie alle seine bisherigen Kampagnen auf Panikmache. Immer wieder hat die Regierung die Furcht vor Einwanderer*innen, die das Land ruinieren könnten, geschürt. Bei den letzten Parlamentswahlen vor vier Jahren bediente sie sich der vagen Angst vor einem nicht näher bezeichneten Krieg. Diesmal sollten die Ungar*innen laut dem Regime nicht nur einen Krieg fürchten, den Brüssel dem Land aufzwingen könnte, sondern auch die Kosten für die Unterstützung der Ukraine.
Mit einem Besuch von US-Präsident Donald Trump kurz vor der Wahl möchte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán seine Position stärken. Orbán glaubt, dass ihm ein Auftritt an der Seite Trumps in Budapest die Gelegenheit bieten würde, seine globalen staatsmännischen Fähigkeiten und seinen internationalen Einfluss zu demonstrieren. Doch trotz Orbáns großer Hoffnungen in Trumps Präsidentschaft hat diese ihm bisher nicht die gewünschten Vorteile gebracht. Oftmals war sogar das Gegenteil der Fall.
Optimistischer Orbán, streitlustiger Trump
Als Trump 2024 wiedergewählt wurde, sagte Orbán, mit der zweiten Amtszeit des US-Präsidenten würde ein neues Zeitalter für den Westen anbrechen und das Weiße Haus sei endlich von einem Freund besetzt, der ihm im Kampf gegen die sogenannten Liberalen in Ungarn und der EU zur Seite stehen würde. Orbán sah sich selbst als Vermittler, als jemanden mit Verbindungen sowohl zu Trump als auch zu Russlands Präsident Wladimir Putin, der an der Seite des US-Präsidenten die Weltpolitik mitgestalten könnte.
Die Realität sah jedoch anders aus. Obwohl Trump Orbán rhetorisch immer unterstützt hat, folgte in der Praxis eine Enttäuschung auf die andere. Trump hat zwar oft seine Verachtung für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zum Ausdruck gebracht (was Orbán gefiel), sich aber immer wieder auch gegen Putin gewandt und sogar gefordert, dass Europa den Import russischer Energie einstellen solle. Dieses Szenario missfiel Orbán, denn es hätte das Ende eines lukrativen Geschäfts für die Regierung und ihre Kumpanen bedeutet, die davon profitieren, in Russland günstig einzukaufen und zu Hause teuer zu verkaufen.
Auch Orbáns Interaktionen mit Trump haben dem ungarischen Ministerpräsidenten nicht das Prestige und die Aura einer globalen Führungsfigur verschafft, die er sich erhofft hatte. Orbán genießt nicht das Vertrauen Trumps und scheint wie jeder andere auch aus den Nachrichten von dessen politischen Entscheidungen und Launen zu erfahren. Das wäre an sich kein Problem gewesen, da ohnehin die meisten Beobachter im Dunkeln tappen, wenn es darum geht, Trumps nächsten Schritt zu erraten – vielleicht sogar Trump selbst. Das Problem war, dass diejenigen ungarischen Medien, die die Propaganda des Regimes und oft auch die Putins nachplappern, Orbán als jemanden darstellten, der voraussehen konnte, was kommen würde, der Trumps Vertrauen genoss und der vielleicht sogar einige entscheidende Fäden ziehen könnte.
Die Ankündigung eines möglichen Treffens zwischen Trump und Putin im Oktober 2025 ist ein anschauliches Beispiel dafür. Das Gipfeltreffen wurde als klare Bestätigung der Führungsrolle und Bedeutung Orbáns dargestellt, wobei Budapest als der Ort gepriesen wurde, an dem der Krieg in der Ukraine endlich beendet werden würde. Tatsächlich wäre ein Treffen in der ungarischen Hauptstadt ein Segen für Orbán und ein Schlag ins Gesicht für die EU gewesen.
Doch die bloße Ankündigung eines Treffens reichte der Propagandamaschinerie des Regimes nicht aus. Es folgten übertriebene Kommentare in den Zeitungen, in denen diskutiert wurde, wie gut informiert Orbán sei, da alles darauf hindeuteten, dass er seit dem Sommer von diesem Treffen gewusst haben musste. Der Triumphalismus des Regimes war überwältigend, und Orbáns Außenpolitik wurde als strategische Meisterleistung dargestellt.
Doch nur wenige Tage später kam die Enttäuschung: Das Treffen wurde seitens der USA abgesagt. Demütigend für Orbán war dabei nicht die Absage selbst, sondern die offensichtliche Tatsache, dass er weder konsultiert noch an Entscheidungen beteiligt wurde. Er war lediglich der Machthaber eines kleinen Landes von geringer Bedeutung.
Orbáns lang erwarteter Besuch in Washington im November 2025 verlief ähnlich. Der Ministerpräsident behauptete, viel erreicht zu haben, und kehrte mit einem angeblich „kugelsicheren“ wirtschaftlichen Sicherheitsschild nach Hause zurück. Doch kurz darauf folgte Trumps frustrierende Korrektur: „Nein, ich habe ihm [ein wirtschaftliches Schutzschild] nicht versprochen, aber er hat aber sehr wohl darum gebeten.“
Dass Ungarn EU-Mitglied ist, macht Orbán für Trump und Putin zu einem nützlichen Trojanischen Pferd in Brüssel. Orbán mag sich auch über die Konfrontationen des US-Präsidenten mit der EU freuen. Doch seine Freude ist paradox, denn Trumps Maßnahmen gegen die EU schaden auch Ungarn. So können beispielsweise Zölle auf europäische Exporte die ungarische Wirtschaft hart treffen, was für Orbán besonders ungünstig ist, da die Wirtschaft seit vier Jahren stagniert und zur Unzufriedenheit der Bevölkerung mit dem Regime beiträgt.
Eine große Herausforderung für die Opposition
Nur wenige Wochen vor der Wahl scheint die bisher reibungslos funktionierende Propagandamaschine des Regimes ins Stocken zu geraten. Dennoch hat die Regierung die ungarischen Medien im Griff, und das Wahlsystem spielt Orbán in die Hände. Um ihn aus dem Amt zu drängen, muss die Opposition einen erdrutschartigen Sieg erringen.
Trotz der Skandale, der Misswirtschaft und der schwachen Wirtschaftsleistung versucht Orbán, sich als die einzige Person darzustellen, die die Ungar*innen vor Krieg und der Ukraine schützen kann. Warum? Weil er der Mann ist, der die wichtigen Staatschefs kennt, Putin und Trump. US-Außenminister Marco Rubio besuchte Budapest nach der Münchner Sicherheitskonferenz Anfang Februar, aber er ist keine echte Berühmtheit und hat nicht denselben Marketingwert. Orbán hätte lieber Trump gehabt. Dieser ist jedoch damit beschäftigt, einen neuen Krieg gegen den Iran zu führen. Das passt nicht gut zu Orbáns Erzählung über die friedliche neue Welt, die er und seine populistischen Freunde schaffen wollen.
Ákos Kopper ist außerordentlicher Professor am Institut für Politik- und Internationale Studien der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz.