Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung

Das Ende der Sowjetunion: ein Videoglossar

Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung

Das Ende der Sowjetunion: ein Videoglossar

In Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)

Im Dezember 1991 hörte die Sowjetunion auf zu existieren. Die drei baltischen Republiken hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits unabhängig erklärt, die russische, ukrainische und belarussische Teilrepublik beschlossen per Abkommen die Auflösung der UdSSR und erhielten hierfür die Zustimmung der Mehrheit der verbleibenden 12 Republiken. Das Ende der Sowjetunion war für die postsowjetischen Staaten gleichzeitig ein Aufbruch und löste wirtschaftliche, politische und soziale Veränderungen aus. Dreißig Jahre nach dem Umbruch erklären Wissenschaftler*innen in unserem Videodossier 15 Schlüsselbegriffe rund um den Zerfall der Sowjetunion und zeigen, wie sie uns noch heute helfen können, aktuelle Ereignisse im postsowjetischen Raum zu verstehen. Das Videoglossar erscheinnt bis Ende des Jahres in wöchentlicher Folge in den Mediatheken der Bundeszentrale für politische Bildung und auf Youtube.

4 Nationalitäten

Die Nationalität war eine wichtige Kategorie in jedem sowjetischen Pass. Mit 129 Nationalitäten, die in fünfzehn national definierten Unionsrepubliken (und diversen Untereinheiten) lebten, verstand sich die Sowjetunion als Vielvölkerstaat. Die Nationalitätenpolitik der Bolschewiki konnte zwar nicht wie erhofft die Stabilität der Sowjetunion dauerhaft sichern, erwies sich aber durchaus als erfolgreich. Die Nationalität wurde zum wichtigsten Identitätsmarker und das ethnoterritoriale Prinzip ist in der Sowjetunion nie in Frage gestellt worden. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre entstanden in vielen Unionsrepubliken Unabhängigkeitsbewegungen, die sich letztlich durchsetzen konnten. Die Republiken erklärten sich in ihren bestehenden Grenzen für unabhängig, was das Ende der Sowjetunion besiegelte. Viele Konflikte, von den Tschetschenienkriegen über Nagorny-Karabach und Donbas bis zu den jüngsten Grenzkonflikten zwischen Tadschikistan und Kirgistan, sind ein Erbe der sowjetischen Nationalitätenpolitik.

3 Augustputsch

Der Augustputsch 1991, bei dem konservative kommunistische Kräfte versuchten, den Reformkurs von Gorbatschow umzukehren, markiert einen der wichtigsten Momente im sowjetischen Zerfallsjahr. Der Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, wurde von Parteikollegen in seinem Ferienhaus auf der Krim festgehalten. Sie erklärten ihn für amtsunfähig und übernahmen in Moskau die Macht. Dagegen entstand sehr schnell starker Protest der Bevölkerung, an dessen Spitze sich der Präsident der russischen Teilrepublik Boris Jelzin stellte. Schon nach einem halben Tag begannen die ersten Angehörigen der Armee, sich mit den Protestierenden zu solidarisieren.

2 Glasnost & Perestroika

Als Michail Gorbatschow 1985 Generalsekretär der Sowjetunion wurde, setzte er der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stagnation, die zuvor geherrscht hatte, ein Ende. Mit den Reformen von Glasnost (Transparenz) und Perestroika (Umstrukturierung) versuchte er die Krise, in der sich die Sowjetunion wirtschaftlich befand, und auch die grassierende Korruption zu bekämpfen. Die Reformen, die eine Veränderung der Sowjetunion anstrebten, entwickelten jedoch schnell eine eigene Dynamik, die letztlich zu ihrem Ende führte. Diese Reformen und mit ihnen Gorbatschow werden heute in Ost und West sehr unterschiedlich bewertet.

1 Warum zerfiel die Sowjetunion?

Im Rückblick ist es schwer nachvollziehbar, dass noch einige Jahre vor 1991 nur wenige den Zerfall der Sowjetunion und das Ende des Kalten Krieges vorausgesagt hatten. Die Frage, wie das, was jahrzehntelang unmöglich erschien, innerhalb eines kurzen Zeitfensters Realität wurde, ist im Nachhinein viel diskutiert worden. Zwei Prozesse gingen bei der Auflösung der Sowjetunion Hand in Hand: das Ende des sowjetisch geprägten sozialistischen Systems und das Modell des sowjetischen Föderalismus, der trotz seines Namens einer imperialen Ordnung entsprach. Dem formellen Ende der UdSSR ging ein längerer Auflösungsprozess voraus, bei dem verschiedene politische, wirtschaftliche und internationale Faktoren zusammenwirkten.

#30PostSovietYears

Im Jahr 2021 jährt sich das Ende der Sowjetunion zum 30. Mal. Aus diesem Anlass kooperieren das Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS), die Körber-Stiftung, die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO), das Deutsche Historische Institut Moskau, die Friedrich-Ebert-Stiftung in Russland und Memorial International im Rahmen des Themenjahrs #30PostSovietYears.

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