Moldau: Unternehmen rechts und links des Nistru blicken pragmatisch auf EU
Eine sozialwissenschaftliche Umfrage hat Unternehmer*innen auf beiden Seiten der De-facto-Grenze zwischen Moldau und dem De-facto-Staat Transnistrien befragt. Ergebnis: die EU-Integration schreitet voran, doch besonders in Transnistrien ist der Blick auf geopolitische Fragen pragmatisch.
Der EU-Beitrittskandidat Moldau befindet sich seit Längerem auf dem Kurs einer stärken wirtschaftlichen EU-Integration. Für die abtrünnige Region Transnistrien, einem von Russland unterstützten De-facto-Staat, bleibt dagegen auch Russland ein wichtiger Handelspartner.
Vor diesem Hintergrund haben Sozialforscher*innen untersucht, wie politische Einstellungen und die Marktorientierung von Unternehmen in Moldau zusammenhängen und ob der Handel zwischen den Regionen zur Konfliktlösung beitragen kann. Dazu hat ein Forschungsteam 1.161 Unternehmen in Moldau befragt, darunter solche auf der rechten Seite des De-facto-Grenzflusses Nistru aber auch auf der linken Flussseite, in der abtrünnigen Region Transnistrien.
Wachsende Rolle der EU
Auf beiden Seiten des Nistru konzentrieren sich die meisten Unternehmen auf den Binnenhandel. Der Handel zwischen beiden Regionen hat eine geringere Bedeutung und ist wichtiger für die transnistrischen Unternehmen.
Im Rahmen der Freihandelszone DCFTA verlegen sich moldauische Unternehmen verstärkt auf den Export in die EU. Auch bei transnistrischen Unternehmen lässt sich eine zunehmende Diversifizierung beobachten: Russland bleibt zwar ein wichtiger Partner, doch europäische Märkte spielen eine wachsende Rolle.
Pragmatische Marktausrichtung der Unternehmen
Transnistrische Unternehmen, die Handel mit moldauischen Unternehmen rechts des Nistru treiben, befürworten eher eine engere Bindung an die EU. Moldauische Unternehmen auf der rechten Flussseite, die Handelsbeziehungen mit transnistrischen Unternehmen pflegten, neigten dazu, sich für wirtschaftliche Beziehungen mit beiden Wirtschaftsbündnissen, EU und Eurasischer Wirtschaftsunion (EAWU), auszusprechen. „Das Muster legt nahe, dass es eher pragmatische Erwägungen sind, die geopolitische Einstellungen bei Handelsunternehmen leiten“, analysiert Dr. Sabine von Löwis.
Einstellungen zu Transnistrien: Kein systematischer Einfluss durch Handel
Verbindungen durch Handel werden in der Konfliktlösung häufig als eine von verschiedenen sogenannten vertrauensbildenden Maßnahmen eingesetzt. Ziel ist es, Kontakt zu ermöglichen und Kommunikationskanäle offenzuhalten, ohne dass damit eine Anerkennung des De-facto-Staates verbunden ist. So auch im langanhaltenden Konflikt zwischen der Republik Moldau und dem De-facto-Staat Transnistrien.
Wie die Unternehmen zum Status von Transnistrien eingestellt sind, scheint jedoch durch Handelsbeziehungen nicht signifikant beeinflusst zu werden: „Handelsbeziehungen mit Moldau
gehen bei transnistrischen Unternehmen nicht automatisch mit einer größeren Zustimmung zur politischen Integration einher – auch nicht im Rahmen einer autonomen Region“, beobachtet Dr. Julia Langbein.
Die Autor*innen heben hervor, dass Handelsbeziehungen zwar nicht automatisch zu einer Annäherung politischer Positionen führen. Sie könnten jedoch das Vertrauen zwischen den Handelspartnern stärken. Um dieses Potenzial als vertrauensbildende Maßnahme im Konflikt zwischen der Republik Moldau und dem De-facto-Staat Transnistrien besser zu nutzen, müssten vor allem die praktischen Hürden für den grenzüberschreitenden Handel abgebaut werden.
Publikation