Dr. Tsypylma Darieva

Transformation urbaner Räume und religiöse Pluralisierung im Südkaukasus

Dr. Tsypylma Darieva

Transformation urbaner Räume und religiöse Pluralisierung im Südkaukasus

Informelles Kreuz am Strand in Batumi, Georgien. Jens Liebchen

Projektbeschreibung

Urbane Räume im Südkaukasus bieten ein  Labor kultureller Vielfalt, wobei die Rückkehr sichtbarer Religiosität und atheistischer Lebensentwürfe Politik und Alltag in gleichem Maße prägen. Im Kontext ethnopolitischer Konflikte stellt allerdings die wachsende religiöse Diversität und ihre Manifestation im öffentlichen Raum eine Herausforderung für lokale Verwaltungen und alltägliche Konzepte des Zusammenlebens dar.

Anhand ausgewählter Fallbeispiele (die Städte Baku und Batumi) werden hierzu Muster religiöser Pluralisierung in Aserbaidschan und Georgien  untersucht und verglichen.. In beiden Ländern entstehen Debatten um die Neugestaltung, Nutzung und Bedeutung umkämpfter sakraler Räume in der Stadt.

Mit Blick auf die Rahmenbedingungen lassen sich verschiedene Werteorientierungen erkennen. So ersetzt Aserbaidschan seine moderate Religionspolitik durch einen restriktiveren Ansatz insbesondere gegenüber dem Islam und setzt eine Politik des Multikulturalismus als ein Top-down-Verwaltungsinstrument ein. Eine andere Konstellation zeigt sich in Georgien, wo staatliche Eliten ihre Macht mit der institutionell privilegierten Orthodoxen Kirche teilen. Das Projekt geht einerseits der Entwicklung neuer staatlich geförderter religiöser Kultstätten nach, andererseits ist die Untersuchung informeller alternativer religiöser Praktiken ein weiteres zentrales Ziel. Entscheidend ist es, herauszufinden, wie religiöse Vielfalt in der Konfliktregion Südkaukasus reguliert und inwiefern diverse religiöse Akteure zu Kooperation und Konflikt beitragen.

Methodik

  • Halbstrukturierte Interviews mit religiösen Anführern und Experteninterviews aus dem Bereich der Politik, Verwaltung und Stadtplanung
  • Ethnographische Fallstudien und Beobachtungen vor Ort, informelle Gespräche mit Besuchern von Kultstätten
  • Medienrecherche (lokale Online-Medien)
  • Vergleichende Analyse 

Kernfragen

  • Wie regulieren postsowjetische lokale Behörden die zunehmende religiöse Vielfalt räumlich und institutionell?
  • Unter welchen Bedingungen werden urbane Räume zu Schauplätzen und Inhalten von religiösen Konflikten?
  • Wie beeinflussen staatliche Restriktionen die Zusammensetzung von Akteuren und welche neuen Anpassungsstrategien und innovative Taktiken der Anerkennung entwickeln religiöse Minderheiten?

Projektleitung