Dr. Tsypylma Darieva

Transformation urbaner Räume und religiöse Pluralisierung im Südkaukasus

Dr. Tsypylma Darieva

Transformation urbaner Räume und religiöse Pluralisierung im Südkaukasus

Jens Liebchen

Projektbeschreibung

Ziel dieses Projektes ist es, urbane Räume Osteuropas stärker zu beachten und eine neue Forschungsperspektive an der Schnittstelle zwischen Urbanitäts-, Diversität-, und Religionsforschung zu entwickeln. Die Wechselbeziehungen zwischen religiöser Diversität und postsozialistischen Städten sind weitgehend unerforscht. Urbane Räume im Südkaukasus bieten ein spezifisches Labor kultureller Vielfalt, wobei die Rückkehr sichtbarer Religiosität und atheistischer Lebensentwürfe Politik und Alltag in gleichem Maße prägen. Im Kontext ethnopolitischer Konflikte stellt allerdings die wachsende religiöse Diversität und ihre Manifestation eine Herausforderung für lokale Verwaltungen und alltägliche Konzepte des Zusammenlebens dar.

Anhand ausgewählter Fallbeispiele (die Städte Baku und Batumi) sollen hierzu Muster religiöser Pluralisierung im Südkaukasus untersucht und verglichen werden. Im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte lassen sich in neben den traditionell etablierten Kirchen und Moscheen neue religiöse Bewegungen und Praktiken beobachten, beispielsweise charismatische Bewegungen und neue „puristische“ muslimische Gemeinden. In beiden Ländern entstehen Debatten um die Gestaltung, Nutzung und Bedeutung sakraler Räume in der Stadt, die als umkämpfte Räume mit unterschiedlicher Intensität erlebt werden.

Mit Blick auf die Rahmenbedingungen lassen sich verschiedene Werteorientierungen erkennen. So ersetzt Aserbaidschan seine moderate Religionspolitik durch einen restriktiveren Ansatz insbesondere gegenüber dem Islam und setzt eine Politik des Multikulturalismus als ein Top-down-Verwaltungsinstrument ein. Eine andere Konstellation zeigt sich in Georgien, wo staatliche Eliten ihre Macht mit der institutionell privilegierten Orthodoxen Kirche teilen. Das Projekt geht einerseits der Entwicklung neuer staatlich geförderter religiöser Kultstätten nach, andererseits ist die Untersuchung informeller alternativer religiöser Praktiken und die Aneignung urbaner Räume ein weiteres zentrales Ziel. Entscheidend ist es, herauszufinden, wie der Staat mit Blick auf gesetzliche Rahmenbedingungen und urbane räumliche Strukturen Religion und religiöse Vielfalt in der Konfliktregion Südkaukasus reguliert und inwiefern religiöse Praktiken und Akteure zur Transformation urbaner Räume und der Konzepte der Solidarität beitragen.

Kernfragen

  • Wie regulieren lokale Behörden die zunehmende religiöse Vielfalt räumlich und institutionell?
  • Unter welchen Bedingungen werden urbane Räume zu Schauplätzen von religiösen Konflikten?
  • Wie beeinflussen staatliche Restriktionen den religiös definierten Aktivismus und welche neuen Strategien und Taktiken der Anerkennung entwickeln religiöse Minderheiten?

Projektleitung