Jugend als politischer Akteur und gesellschaftliche Projektionsfläche

Projektkoordination: Dr. Félix Krawatzek

Wann gehen junge Menschen auf die Straße, um das bestehende politische System herauszufordern oder zu unterstützen? Wie reagieren politische Regime auf die Herausforderungen, die von einer Jugendmobilisierung ausgehen? Im heutigen Russland sind junge Menschen bei zahlreichen Gelegenheiten auf die Straße gegangen, sowohl um das bestehende Regime unter Druck zu setzen, als auch, um ihre Unterstützung für das Regime zum Ausdruck zu bringen. Das Symbol der Jugend in Russland genießt eine hohe Sichtbarkeit und wird von den Medien und der Politik genutzt, wenn sie beispielsweise auf die Rolle der jugendlichen Roten Armee während des Zweiten Weltkriegs hinweisen oder über die Erwartungen an die Zukunft des Landes sprechen.

Das Forschungsprojekt untersucht den politischen Aktivismus junger Menschen im heutigen Russland. In diesem Rahmen wird eine Datenbank von regimekritischen und regimeunterstützenden Mobilisierungen aufgebaut, um das Protestverhalten junger Menschen, die antreibenden Faktoren und Hindernisse für ihr politisches Engagement sowie die Beziehung zwischen jungen Protestierenden und dem bestehenden Regime zu verstehen. Dazu wird das politische Verhalten junger Menschen im historischen und kulturellen Kontext verankert. Dieses Projekt zielt darauf ab, die unterschiedlichen und widersprüchlichen Formen des Engagements junger Menschen zu erfassen und darauf zu achten, wie sie selbst den politischen Raum, in dem sie sich bewegen, verstehen.

Darüber hinaus beschäftigt sich das Projekt mit der internationalen Verbreitung von Jugendmobilisierung. Ausgehend von russischen Jugendbewegungen untersucht das Projekt anhand einer Reihe von Fallstudien, wie Ideen, Netzwerke und Mobilisierungspraktiken zwischen Russland und Westeuropa zirkulieren. Diese Betonung auf Diffusion hinterfragt auch essentialisierende Begriffe von „Ost“ und „West“.