Dr. Asel Doolotkeldieva

Vernakuläre Geopolitik: Das zentralasiatische Selbst und „Russland“ nach der großangelegten Invasion der Ukraine

Dr. Asel Doolotkeldieva

Vernakuläre Geopolitik: Das zentralasiatische Selbst und „Russland“ nach der großangelegten Invasion der Ukraine

Ein langer Stau aus LKW.
LKW Stau am Syrym Grenzübergang zwischen Russland und Kasachstan. 27. September 2022. IMAGO / ITAR-TASS

Projektbeschreibung

Russlands Krieg gegen die Ukraine hat die materiellen und immateriellen postimperialen Verflechtungen im gesamten ehemaligen sowjetischen Raum tiefgreifend verändert. Das Ausmaß dieser sozioökonomischen und kulturellen Veränderungen ist jedoch bislang theoretisch nur unzureichend abgebildet. Zudem lässt es sich anhand staats- und elitenzentrierter Analysen nicht angemessen erfassen. Durch das Prisma der „vernakulären Geopolitik“ befasst sich dieses Forschungsprojekt mit den laufenden Transformationen zwischen Russland und Zentralasien und deren Zusammenhang mit Vorstellungen von Souveränität und politischer Legitimität. Auf der Grundlage von Feldbeobachtungen und qualitativen Interviews mit Wirtschaftsvertreter*innen, Arbeitsmigrant*innen und Kulturaktivist*innen in Kirgistan und Kasachstan untersucht das Projekt, wie sich die sozioräumlichen Praktiken und Diskurse dieser Akteur*innen wandeln und wie sich dies auf das geopolitische Bild Russlands und der zentralasiatischen Staaten auswirkt. Zudem werden die konkreten Folgen dieser Praktiken und Diskurse auf den transnationalen Handel, Unternehmensnetzwerke, die Umgehung von Sanktionen und Finanzkreisläufe, Diasporagemeinschaften, Arbeiterbewegungen, grenzüberschreitende Bildungs- und Gesundheitsdienste und familiäre Bindungen untersucht.

Kernfragen

  • Welche geopolitischen und geoökonomischen Verschiebungen hat die großangelegte Invasion der Ukraine in Zentralasien ausgelöst?
  • Wie reagieren Akteur*innen außerhalb der Elite auf die durch den Krieg ausgelösten Veränderungen im transnationalen Handel und in den Arbeiterbewegungen, in Unternehmensnetzwerken und Diasporagemeinschaften, in familiären Bindungen sowie in der Transitwirtschaft der Parallelimporte?
  • Welche Auswirkungen haben sich wandelnde sozioräumliche Praktiken und Diskurse der Bevölkerung auf die Wahrnehmung von Souveränität und die politische Legitimität der heimischen Regime?

Methodik

  • Multi-sited Ethnographie
  • Teilnehmende und nichtteilnehmende Beobachtung
  • Qualitative Interviews mit Zielgruppen in Kirgistan und Kasachstan
  • Analyse von Massenmedien und des offiziellen Diskurses

Projektleitung