Der „lange Postsozialismus“ und die Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft in Zentralasien
Der „lange Postsozialismus“ und die Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft in Zentralasien
Projektbeschreibung
Dieses Projekt untersucht die Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft in Kirgistan und Kasachstan aus der Perspektive des „langen Postsozialismus“. Diese Perspektive ermöglicht es, die Auswirkungen langfristiger sozioökonomischer Transformationsprozesse auf das heutige gesellschaftliche Verständnis von idealen staatlichen Institutionen, politischen Systemen und sozialem Zusammenhalt sichtbar zu machen. Empirisch konzentriert sich die Forschung auf Zentralasien – eine Region, die in theoretischen Debatten über den Postsozialismus weitgehend ignoriert wird. Angesichts der dort vorherrschenden, anhaltenden und vielfältigen kollektiven Erinnerungen an den Staatssozialismus und der verbreiteten Sowjetnostalgie ist sie jedoch von großer Relevanz. Das Projekt untersucht die an mehreren Orten und auf verschiedenen Ebenen existierenden kollektiven Erinnerungen und deren Koexistenz mit offiziellen Diskursen zur Vergangenheit sowie zu aktuellen Entwicklungsverläufen. Im Fokus steht dabei auch die Frage, ob und wie Erinnerungen an den Staatssozialismus eine Quelle affektiver Unterstützung für die Herrschaft eines „starken Mannes“ und die Stabilität des Regimes darstellen.
Kernfragen
- Wie und durch welche Mechanismen, Strukturen und Prozesse zirkulieren kollektive Erinnerungen an den Staatssozialismus in den Gesellschaften Kirgistans und Kasachstans?
- Wer ist an der Entstehung und Verbreitung verschiedener postsozialistischer Narrative beteiligt und an welchen Orten und auf welchen Ebenen?
- Welche Vorstellungen von idealen Staat-Gesellschaft-Beziehungen sind in diesen unterschiedlichen postsozialistischen Narrativen impliziert?
- Unter welchen Umständen werden postsozialistische kollektive Erinnerungen in diesen Gesellschaften reaktiviert?
Methodik
- Analyse offizieller Diskurse und politischer Maßnahmen in den Bereichen Bildung, Kultur und Geschichte
- Qualitative Interviews mit gesellschaftlichen Akteur*innen
- Analyse der Massenmedien