„Kasachstanische Märchen“ – ein literarisches Identitätsangebot für alle Kasachstaner*innen

ZOiS Report 1/2019

von Nina Frieß

Kasachstan ist der ethnisch diverseste Staat im postsowjetischen Raum. Anders als in anderen sowjetischen Nachfolgestaaten betonte die politische Elite des Landes bislang stets, dass Kasachstan die Heimat aller kasachstanischen Bürger*innen sei, unabhängig von ihrer Herkunft. Dennoch konnte sich die Idee einer staatsbürgerlichen, ethnisch inklusiven Identität, wie sie sich im Begriff „Kasachstaner*in“ spiegelt, bislang nicht durchsetzen. Im Jahr 2017 erschien in Kasachstan ein Buch, das sich als Versuch verstehen lässt, allen Bürger*innen Kasachstans unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft ein Identitätsangebot zu machen: die Kasachstanischen Märchen Yuriy Serebryanskys.

Die Slavistin Nina Frieß kennzeichnet in ihrem Report die Texte als Kunstmärchen mit sozialkritischem Charakter und setzt sie ins Verhältnis zu Multiethnizität, Migration und Mehrsprachigkeit in Kasachstan. Der vorliegende ZOiS Report lässt in längeren Interviewpassagen auch den Autor Yuriy Serebryanskys selbst zu Wort kommen. Am Ende des Reports finden sich zudem zwei mit freundlicher Genehmigung des Verlags Aruna abgedruckte Texte aus der Märchensammlung erstmals in ihrer deutschen Übersetzung.