Dr. Tatiana Golova

Regionale Proteste auf russischen sozialen Medien

Dr. Tatiana Golova

Regionale Proteste auf russischen sozialen Medien

IMAGO / ITAR-TASS

Projektbeschreibung

In russischen Regionen kommt es immer wieder und aus verschiedenen Anlässen zu Protesten. Das Projekt der Soziologin Tatiana Golova fokussiert sich auf solchen Protestkampagnen, in denen regionale bzw. lokale Selbstverortung eine zentrale Rolle spielt und mit anderen (ökologischen, elektoralen und weiteren) Themen kombiniert wird. Diese mobilisierenden (oder auch demobilisierenden) Interpretationen von Ereignissen und Akteuren werden im hybriden Online-Offline-Format geschaffen, wobei soziale Medien vor dem Hintergrund zunehmender Schließung weiterer öffentlicher Plattformen und trotz digitaler Repression von enormer Bedeutung sind. Das Projekt untersucht die diskursive Mobilisierung auf sozialen Medien im Rahmen konkreter Proteste und beschäftigt sich damit, welche Frames (geteilte Interpretationen) von Usern konstruiert und wie Konfliktthemen „regionalisiert“ werden. Das erste zu untersuchende Fallbeispiel sind Proteste in der Region Chabarowsk, die im Juli 2020 von der Verhaftung des 2018 überraschend gewählten Gouverneurs Sergey Furgal ausgelöst wurden und mehrere Monate anhielten.

Methodik

  • Kombination von quantitativen und qualitativen Methoden
  • Analyse großer Korpora von Social-Media-Beiträgen zu konkreten Protesten mithilfe der Methoden des Natural Language Processing: Langfristige Dynamiken positiver und negativer Beiträge werden rekonstruiert und Cluster (Gruppen ähnlicher Texte) werden identifiziert
  • Qualitative Auswertung ausgesuchter, für einzelne Cluster typischer Texte
  • Rekonstruktion von geteilten Interpretationsrahmen (Frames)

Kernfragen

  • Wie werden soziale Medien in konkreten Protestkampagnen in russischen Regionen genutzt?
  • Welche langfristigen Dynamiken von Social-Media-Beiträgen können identifiziert werden und in welchem Verhältnis stehen sie zu einzelnen Protestereignissen?
  • Welche zentralen Interpretationen werden in sozialen Medien konstruiert und in die Mobilisierung einbezogen?
  • Inwiefern unterscheiden sich lokale und russlandweite Diskurse zu denselben Protestkampagnen in Regionen?

Projektleitung