Das Unsichtbare sichtbar machen: visuelle Ethnographie als Mittel zur Untersuchung des außerinstitutionellen Aktivismus von Migrant*innen und ethnischen Minderheiten

Projektkoordination: Dr. Piotr Goldstein

Wenn Medien oder Akademiker*innen an Angehörige ethnischer Minderheiten oder Migrant*innen herantreten, wird der Kontakt gewöhnlich über Institutionen hergestellt. Für Forschung zu polnischen Migrant*innen, stellen polnische Kirchengemeinden und NGOs typische Anlaufstellen dar; um Zugang zur jüdischen Gemeinde zu erhalten, spielen Synagogen und jüdische Gemeindezentren eine Schlüsselrolle, bei der ungarischen Diaspora sind es ungarische Kulturzentren.

Solche Herangehensweisen erzeugen jedoch das Bild eines Minderheiten- oder Migrant*innenaktivismus, der selbstzentriert ist und sich hauptsächlich um die eigenen Gemeinschaften der Beteiligten kümmert. Dieses Bild trägt wenig dazu bei, das Stereotyp aufzubrechen, dass Migrant*innen und Angehörige ethnischer Minderheiten eine Last für die Gesellschaft darstellten – eine Sichtweise, die vom aktuellen Populismus in Europa aufrechterhalten wird.

Dieses Projekt richtet seine Aufmerksamkeit auf Aktivismus von Migrant*innen und Angehörigen ethnischer Minderheiten, der sich außerhalb der zentralen Institutionen dieser Minderheiten oder Migrant*innen abspielt und dadurch in den Medien und der Forschung unsichtbar bleibt. Es baut auf Piotr Goldsteins früherer Forschung auf, aus der unter anderem der 30-minütige Dokumentarfilm Active (citizen) hervorging, den er gemeinsam mit Jan Lorenz von der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań in Polen produzierte. Goldstein arbeitet momentan an der Präsentation weiteren Ergebnissen, in denen die übersehenen Beiträge dieses Aktivismus von Minderheiten und Migrant*innen untersucht und ihr Wert für die Allgemeinheit hervorgehoben werden sollen.

Eines der Hauptziele des Projekts ist es, Einblick in den Aktivismus von Geflüchteten, Migrant*innen und ethnischen Minderheiten zu bekommen, der sich jenseits von sozialen Bewegungen und NGOs abspielt. Das Projekt soll diesen ansonsten unsichtbaren Aktivismus hervorheben und ihn mithilfe von visuellen Materialien (größtenteils kurze Videos) in den öffentlichen Diskurs einbringen.

Grundlage des Projekts ist eine Kombination aus langfristiger, an unterschiedlichen Orten durchgeführter Ethnographie, visueller Ethnographie und Interviews. An mehreren Orten wurde bereits Filmmaterial mit der Aussicht aufgenommen, es in eine Serie von Kurzfilmen oder in Videoinstallationen zu verwandeln, bei denen mehrere Bildschirme zum Einsatz kommen sollen. Ein Zweck dieser Methode ist es, die Forschungsergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und somit eine gesellschaftliche Wirkung zu erzielen, was häufig als aktivistische Anthropologie bezeichnet wird.