Alltag im Konflikt – Handlungsspielräume und Bewältigungsstrategien in De-facto-Staaten

Projektkoordination: Dr. Sabine von Löwis

Ein Soldat hilft einer Frau in der transnistrischen Stadt Bender, Körner zu verpacken. © Eddie Gerald / Alamy Stock Foto

In ihrem Projekt untersucht die Sozialgeographin Sabine von Löwis, wie Konflikte im postsowjetischen Raum, die vorrangig auf der Ebene der internationalen Beziehungen und im geopolitischen Diskurs verhandelt und betrachtet werden, sich im Alltag der betroffenen Menschen widerspiegeln und welche Rolle sie dort spielen. Sie möchte herausarbeiten, welche Handlungsspielräume die Menschen in ihrem Alltag zur Verfügung haben, nutzen und gestalten. Es soll gezeigt werden, welche Bewältigungsstrategien in Bildung, Arbeit, medizinischer Versorgung, Kultur, etc. gewählt werden, um mit den Rahmenbedingungen nicht anerkannter Staatlichkeit umzugehen, und wie diese die Konfliktkonstellation beeinflussen oder gar verändern.

Die Makro- und Mesoperspektive bilden einen zentralen Zugang und Rahmen für das Verständnis der Konflikte; gleichwohl – und dies ist zentral für die hier eingenommene Perspektive – sind alle Ebenen interaktiv. Um den Raum und die dort lebenden Menschen besser zu verstehen, ist es wichtig, deren Wissen und Erfahrungen sowie Einstellungen einzubinden und zu analysieren. Im Projekt soll deshalb die Mikroebene, d.h. das Alltagsleben der Konflikte analysiert werden: Wie findet Alltag im Kontext von Konfliktsituationen statt und in welcher Beziehung steht er zu geopolitischen Diskursen und Verhandlungen um die Konflikte?

Dabei soll die Perspektive der Bevölkerung, die mit den politischen Konfliktkonstellationen konfrontiert ist und in diesen lebt, beleuchtet werden. In der Analyse wird Sabine von Löwis einen Fokus auf die Normen, Werte und Praktiken der betroffenen Bevölkerungen legen. Von Bedeutung wird sein, die Erfahrungswelten unterschiedlicher Generationen, aber auch ihre alltagsweltlichen Verflechtungen und ihren Wandel aufgrund veränderter staatlicher bzw. de-facto-staatlicher Konstellationen zu untersuchen. Schließlich soll aber auch in Betracht gezogen werden, welchen Rahmen diese staatlichen Formen für den Alltag setzen. Erkenntnisleitend ist die Frage, wie und ob die Ergebnisse die Sicht auf diese Konflikte verändern und einen Beitrag zu den Lösungsansätzen leisten können.

Empirisch plant Sabine von Löwis Analysen in Fallstudienregionen im südwestlichen postsowjetischen Raum, d.h. längere Vorortaufenthalte mit teilnehmender Beobachtung, leitfadenbasierten Befragungen, offenen Gesprächen, Experteninterviews und Quellenrecherchen.

Nebeneinander von Konflikt und Alltag in Donezk in der Ostukraine. © Konstantin Chernichkin/ n-ost