Postsowjetische Migrant*innen ‒ Mobilisierung von „außen“ und „innen“

Vorträge und Diskussion | 9. April 2019 | 18:30-20:30 Uhr

Mit Igor Eidman (Filmemacher), Jannis Panagiotidis (Unviversität Osnabrück), Tatiana Golova (ZOiS), Moderation: Robert Kindler (HU)

Bild aus „Onkel Putin wir folgen Dir“.

Über drei Millionen Eingewanderte aus dem postsowjetischen Raum und deren direkte Nachkommen leben in Deutschland, die meisten von ihnen sind russlanddeutsche Spätaussiedler*innen und deren Angehörige. Die unabhängige Fernsehproduktion „Onkel Putin, wir folgen Dir“ (2019) des Regisseurs Artem Demenok und des Soziologen Igor Eidman (unter Beteiligung des Journalisten Boris Reitschuster) nimmt die größte wahlberechtigte Gruppe mit Migrationshintergrund genauer unter die Lupe und schaut vor allem auf den Einfluss der regierungsnahen russischen Medien. Am ZOiS zeigt einer der Filmemacher Ausschnitte und diskutiert mit Expert*innen. Welche politischen Einstellungen herrschen vor und was ist dran am Rechtsruck bei den Russlanddeutschen, der unter anderem an ihrem Wahlverhalten festgemacht wird? Jannis Panagiotidis stellt Ergebnisse seiner neuen Studie zum Wahlverhalten auf lokaler Ebene dar. Tatiana Golova erforscht Netzwerke in den sozialen Medien und zeigt, dass postsowjetische Migrant*innen nicht nur „von außen“ von politischen Akteuren angesprochen werden, sei es im nationalen oder transnationalen Kontext, sondern auch selbst aktiv Kommunikationsstrukturen schaffen.

Wie geht man mit dieser versuchten und realen Mobilisierung von außen und innen um, ohne eine ganze Gruppe zu stigmatisieren? Und warum sind liberale Gegenstimmen in der postsowjetischen Community nur vereinzelt zu vernehmen?


Igor Eidman ist ein russischer Soziologe und Publizist. Seit 2011 lebt er in Deutschland und schreibt für verschiedene deutsche Medien. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Das System Putin: Wohin steuert das neue russische Reich?“

Jannis Panagiotidis ist Historiker und Inhaber der Juniorprofessur „Migration und Integration der Russlanddeutschen“ am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück.

Tatiana Golova ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZOiS. Ihre soziologische Forschung beschäftigt sich unter anderem mit postsowjetischen Migrant*innen in Deutschland und transnationalen Social-Media-Öffentlichkeiten.

Robert Kindler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie wissenschaftlicher Koordinator im vom BMBF geförderten Forschungsverbund „Landschaften der Verfolgung“.