„Kasachstanische Märchen“

Lesung und Gespräch mit Yuriy Serebryanskiy

Yuriy Serebryansky, © Yelena Petrova.

Kasachstan ist der ethnisch diverseste Staat im postsowjetischen Raum. Angehörige von über 120 verschiedenen Ethnien leben in dem zentralasiatischen Land. Nursultan Nasarbajew, fast 30 Jahre lang Präsident des Landes, betont, dass Kasachstan die Heimat aller Kasachstaner*innen sei, nicht nur die der ethnischen Kasach*innen. Gleichzeitig hat die Kasachisierung des Landes – auch und gerade im sprachlichen Bereich – in den letzten Jahren stark zugenommen, was das Zusammenleben seiner Bewohner*innen vor neue Herausforderungen stellt. Yuriy Serebryanskiy begegnet dieser Herausforderung auf besondere Weise: 2017 veröffentlichte der auf Russisch schreibende polnischstämmige Schriftsteller sein Buch „Kasachstanische Märchen“, ein Versuch, eine moderne Folklore für alle Kasachstaner*innen jenseits ihrer ethnischen Zugehörigkeit zu schaffen. Um es für alle Bürger*innen Kasachstans zugänglich zu machen, enthält es nicht nur die russischen Originaltexte, sondern auch deren kasachische Übersetzungen.

Auf der Veranstaltung stellt Yuriy Serebryanskiy das Buch erstmals einem deutschen Publikum vor und liest einzelne Märchen. Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Nina Frieß und die Zentralasien-Expertin Beate Eschment diskutieren mit dem Autor über die Idee zu seinem Buch, die Bedeutung von Märchen für eine moderne Gesellschaft und warum sich das Buch nicht nur an Kinder richtet.

Die Veranstaltung findet in deutscher und russischer Sprache mit Simultanübersetzung statt.

Yuriy Serebryanskiy ist Schriftsteller, Journalist und Dozent an der Offenen Literaturschule Almaty. Er schreibt Poesie und Prosa, 2010 und 2014 wurden seine Erzählungen mit der „Russischen Prämie“ ausgezeichnet, dem wichtigsten Literaturpreis für außerhalb Russlands auf Russisch schreibende Schriftsteller*innen. Seine Texte erscheinen in allen wichtigen russischen Literaturzeitschriften, darunter Novij Mir, Druzhba Narodov und Znamja. Er ist Redakteur der polnischen Diasporazeitung Ałmatyński Kurier Polonijny und war von 2016 bis 2018 Chefredakteur von Esquire Kasachstan.

Nina Frieß ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS). In ihrem aktuellen Forschungsprojekt beschäftigt sich die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin mit russophoner Literatur, die außerhalb Russlands entsteht. Eine ihrer Fallstudien befasst sich mit Kasachstan.

Beate Eschment ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZOiS und forscht zur Identitätsbildung und Interessenvertretung der kleinen nationalen Minderheiten in Kasachstan. Seit 2008 ist sie Redakteurin der Zentralasien-Analysen.