Fragmente meiner Heimaten. Russischsprachige Migration in Deutschland

Podiumsdiskussion in Kooperation mit der Volksbühne Berlin | Eintritt: 8/5 Euro

I. Performance

Sarah Maria Sander: Die Geschichte meines Vaters

1946 wird Ibrahim Nadzhafow in Charkow geboren. Seine Mutter, eine junge Jüdin, verlässt nach der Geburt den Vater, einen azerbaijanischen Offizier und verwehrt jeglichen Kontakt zum Sohn. Dieser wächst mit der Sehnsucht nach einem Vater auf und gibt sich selbst den Namen Aleksander. In einem fernen Land jenseits der Sowjetunion verspricht er sich eine Zukunft, eine andere, bessere Welt. Aleksander steckt fest zwischen Zeiten, Kulturen, zwischen dem Suchen und Nicht Finden. Russland wird zu einem fremden Ort, Deutschland wird auch nach Jahren nicht vertraut. Heimat wird zu einer Utopie.
Viele Jahre später wächst Sarah in Deutschland auf. Auch sie wird von der Frage nach Heimat und Identität verfolgt. Zu ihrem 18. Geburtstag schenkt die Mutter ihr eine alte Kiste aus Holz. In ihr: Briefe, Postkarten und Telegramme von Aleksanders Vertrauten, die seine Geschichte aus ihrer Sicht erzählen.

II. Panel mit Sarah Maria Sander (Volksbühne Berlin), Svetlana Müller (PANDA Theater e.V.) und Tatiana Golova (ZOiS)

Russischsprachige Migrant*innen in Deutschland werden oft als einheitliche Gruppe wahrgenommen. Dabei unterscheiden sich ihre Herkunftsorte, ihre Wege und der Status, den sie mit ihrer Ankunft in Deutschland erhielten, erheblich. Ihre Geschichten und Erinnerungen finden sich in künstlerischen Ausdrucksformen wieder. Werden diese als Teil von Identität an die nächste Generation weitergegeben? Was bedeuten Kultur- und Begegnungsorte für migrantische Communities? Wie entstehen neue kulturelle Projekte jenseits der Nostalgie und inwieweit beziehen diese Personen außerhalb der Community mit ein? Anknüpfend an die Performance Die Geschichte meines Vaters von Sarah Maria Sander, Ensemblemitglied an der Volksbühne, geht die Soziologin Tatiana Golova im Gespräch mit der Künstlerin und mit Svetlana Müller vom PANDA-Theater diesen Fragen nach und beleuchtet dabei, welche politische Dimension Identitätsprojekte von Migrant*innen haben und welche Rolle Verflechtungen mit den Herkunftsländern heute noch spielen.


Sarah Maria Sander ist Schauspielerin an der  der Volksbühne. Sie wuchs in Deutschland und Russland auf. 2015 war sie Gaststudentin in der Meisterklasse Schauspiel bei Semen Spivak Theaterakademie Sankt Petersburg, Russian State Institute of Performing Arts.  Von 2015 bis 2019 studierte Sarah Maria Sander an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin.

Svetlana Müller ist Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins PANDA nicht nur russisches Theater e.V. , das sich in den letzten Jahren zu einer interdisziplinären Kunst-, Politik- und Kulturplattform entwickelt hat.

Tatiana Golova ist Soziologin am Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien und arbeitet unter anderem zu transnationalen Migrant*innennetzwerken auf Social Media.