Ilona Grabmaier

Gastwissenschaftlerin
Tel. + 49 (30) 2005949-72
ilona.grabmaier(at)zois-berlin(dot)de

Ilona Grabmaier studierte in Wien Kultur- und Sozialanthropologie. Fragen nach sozialer (Un)-Gleichheit und Sicherheit im Spannungsfeld von Politik, Geschlechterverhältnissen, Sorgepraktiken, Moral und postsozialistischer Transformation stehen im Zentrum ihres aktuellen Forschungsinteresses. Nach ihrem Studium war sie unter anderem als freie Projektmitarbeiterin und als Lehrbeauftragte am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien tätig. Von März 2016 bis Dezember 2019 war sie Kollegiatin im vom FWF geförderten Doktoratskolleg Galizien an der Universität Wien. Gegenwärtig erhält sie ein Leopold-Kretzenbacher-Stipendium des Schroubek-Fonds Östliches Europa sowie ein Marietta Blau-Stipendium des Österreichischen Austauschdienstes. Von Anfang Februar bis Ende April 2020 ist sie Gastwissenschaftlerin am ZOiS.

Forschungsprojekt

Daheimgeblieben. Rekonfigurationen von Sorge von und für Männer, Kinder und SeniorInnen in der ländlichen Ukraine

Seit den frühen 2000er Jahren erleben zahlreiche Dörfer in der Westukraine eine massive Abwanderung, besonders von Frauen. Während die Situation von Arbeitsmigrantinnen in den Empfängerländern und deren Bemühungen, transnationale Care-Beziehungen mittels unterschiedlicher Formen des Austausches aufrecht zu erhalten, ethnografisch relativ gut erforscht sind, wissen wir bislang noch sehr wenig darüber, wie sich die Abwesenheit von Frauen auf die sozialen, ökonomischen und politischen Verhältnisse der daheimgebliebenen Familienangehörigen auswirkt. Während ihres Aufenthaltes am ZOiS arbeitet Ilona an ihrer Dissertation, in der sie insbesondere die Situation von Männern, Kindern und SeniorInnen sowie deren Integration in unterschiedliche Netzwerke gegenseitiger Unterstützung und damit in Zusammenhang stehenden Prozessen der Inklusion in und Exklusion von Familien, der Dorfgemeinschaft und dem Staat beleuchtet. Bisherige Studien zu den Auswirklungen weiblicher Arbeitsmigration legten ihren Fokus zumeist auf die Abwesenheit von Müttern und die zentrale Rolle, die diesen in Bezug auf emotionale und materielle Care-Arbeit hinsichtlich ihrer Kinder, Ehemänner und Eltern zugeschrieben wird. Dieser Fokus auf die Perspektive der Frauen und Mütter wird als analytisch problematisch angesehen, da eine Naturalisierung von Mutterschaft und damit einhergehenden Care-Erwartungen und -Verantwortungen den Blick auf andere AkteurInnen verstellen, die in der Bereitstellung von Care ebenso von Bedeutung sein können. Aufbauend auf aktuellen anthropologischen Ansätzen an der Schnittstelle von Care, Verwandtschaft, Gender und dem Staat werden in Ilonas Dissertation daher Rekonfigurationen von Care-Praktiken beleuchtet, welche als Ausgangspunkt für die Herstellung, Reproduktion und Auflösung bedeutsamer Bindungen angesehen werden.