Dr. Nina Lutterjohann

Gastwissenschaftlerin
nina.lutterjohann.guest@zois-berlin.de

Dr. Nina Lutterjohann war Projektkoordinatorin für das Connecting Research on Extremism (CoRE) Netzwerk am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld. Das Thema ihrer Dissertation an der University of St Andrews schrieb sie zur Rolle der Internationalen Organisationen in Bezug auf den Georgien-Abchasien-Konflikt sowie den Moldawien-Transnistrien-Konflikt. Sie studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Politikwissenschaft und Geschichte sowie Europäische Studien an der Maastricht University mit einem Master in Euroculture an der Georg-August-Universität Göttingen und University of Groningen. Sie arbeitete zur Schwarzmeerregion, im Projektmanagement und im EU Policy-Bereich in unterschiedlichen Funktionen. Ihre Interessensgebiete beinhalten Paneuropäische und Internationale Organisationen, langwierige Konflikte, Grenzregionen, Identitätspolitik, Migration, kulturelle Studien und Radikalisierungsforschung.

Forschungsprojekt

Werte im flux?
Ein Wertevergleich zwischen post-kommunistischen und türkischsprachigen Jugendlichen/jungen Erwachsenen im urbanen Milieu in Deutschland

Das Ziel des Forschungsvorhabens ist es, verschiedene post-sowjetische/post-kommunistische und türkisch muslimische junge Generationen von ehemaligen Migranten in Deutschland zu vergleichen. In dem Projekt wird der Frage nachgegangen, ob beide Gruppen Tendenzen zu einer stärker werdenden Religiosität (oder einen konservativen Wandel) aufweisen und wie sich diese unter und zwischen orthodoxen/christlichen, muslimischen und jüdischen Hintergründen ausdrückt. Ohne einen möglichen Wertewandel zwischen dem Gast- und Herkunftsland und deren unterschiedlichen Bedingungen zu verfolgen, soll hier der Blick hier auf die ähnlichen, gleichen und anderen Werte gerichtet werden. Es geht um eine Bestandsaufnahme von Religiosität in den jüngeren Generationen im urbanen Milieu. Es bleibt hierbei bewusst offen, inwieweit Religion als Ausdruck von Modernität/ Kosmopolitismus und Tradition gelesen wird und inwieweit es den Zugang in eine Subkultur oder zu einer Radikalisierung vereinfacht.

Das heißt, es geht nicht nur darum, in welchem Land es sich religiöser werden lässt oder inwieweit das ein Protest auf oder Einfluss von westlichen Konsumgütern ist, sondern es werden die Motive auf den Ebenen von Ort, Diskurs und kultureller Repräsentation analysiert. Inhaltlich richten sich die Dimensionen an die Identitätssuche von jungen Erwachsenen, urbaner Anonymität, um oft herausgestellte Spaltungen zwischen Stadt und Land zu minimieren, die Rolle von Geopolitik sowie traditionellen und nicht-traditionellen Formen von Religionen, wie kleineren Abspaltungen. Als Werte werden, unter anderem, Religiosität in ihren Auslegungsformen, Gender Regime und gegebenenfalls die Neigung zu Gewalt verstanden.

Es wird analysiert, inwieweit der Bezug zu den neuen oder anderen Werten durch eventuelle wahrgenommenen Erfahrungen von Diskriminierung begünstigt ist, ob das durch die intensivierten Verbindungen, die durch transnationale Netzwerke transportiert werden und an die Werte im Herkunftsland anknüpfen, bestärkt wird oder ob der konservative Hintergrund für die Orientierung entscheidend ist. 

Ein qualitativer multi-methodischer Ansatz wird mit quantitativen Fragebögen ergänzt, um den oben thematisierten Werteflux mit den multiplen Zugehörigkeiten für die urbane Integration besser in Verbindung zu bringen. Der Fokus auf die urbane Integration lässt kulturelle Begegnungen stattfinden, die durch Sichtbarmachungen präventive oder erklärende Effekte auf das gesellschaftliche Miteinander hat.