Das ZOiS

Das Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) ist ein unabhängiges, internationales und interdisziplinäres Forschungsinstitut. Es konzentriert sich auf die gesellschaftsrelevante sozialwissenschaftliche Forschung zu Osteuropa und die Vermittlung der Ergebnisse an Politik, Medien und die breite Öffentlichkeit.

Osteuropa ist in Bewegung. Dies gilt nicht nur, jedoch verstärkt, für die letzten Jahre, in denen gemeinhin angenommene Sicherheiten sich in vielen postsowjetischen Ländern als brüchig erwiesen haben. Nicht zuletzt der Russland-Ukraine-Konflikt hat gezeigt, dass es eines umfassenderen Blickes bedarf, um die vielfältigen Prozesse in der Region verstehen und entsprechend agieren zu können.

Diese Entwicklungen folgen vielfach einer Binnenlogik. Spezifische Wahrnehmungen der Außenwelt, Besonderheiten der Gesellschaftsstruktur und des politischen Systems, der Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen prägen das Verhalten der Staaten in dieser Region. Nur dezidierte Regionalforschung über längerfristig angelegte Projekte kann das notwendige fundierte Wissen bereitstellen.

Inhaltliche Ausrichtung

Als unabhängiges Institut erhält das ZOiS bei der Themenwahl keine Vorgaben. Die Fragestellungen der ersten Forschungsschwerpunkte und Projekte ergaben sich aus dem Anspruch, eine Bandbreite relevanter Aspekte Osteuropas zu beleuchten und Interesse für sie zu wecken. Tagespolitische Aktualität und Hintergrundanalyse sind dabei gleichermaßen von Bedeutung. Wichtig ist uns aber auch, zu signalisieren, dass Osteuropa nicht erst im Osten beginnt, sondern in verschiedenen Formen hierzulande präsent ist. So beschäftigt sich eines der Projekte mit der Realität von Migrant*innen mit osteuropäischem Hintergrund in Deutschland.

Der Ausbau der aktuell drei Forschungsschwerpunkte ist in vollem Gange: unter den Oberthemen Stabilität und Wandel von politischen Regimen, Konfliktdynamiken und Migration und Diversität sind die Einzelprojekte der wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen angeordnet. "Osteuropa" wird offen definiert und umfasst den postsowjetischen Raum sowie Ost- und Mitteleuropa. Derzeit liegen die Stärken unserer Regionalexpertise auf Russland, der Ukraine, Moldau, dem Südkaukasus und Zentralasien.

Eine tiefergehende Analyse der vielschichtigen Entwicklungen in Osteuropa kann nur durch eine multiperspektivische Herangehensweise gelingen. Deshalb sind am ZOiS wissenschaftliche Mitarbeiter*innen aus unterschiedlichen Disziplinen vertreten, darunter Politikwissenschaft, Soziologie, Sozialanthropologie, Wirtschafts- und Sozialgeographie, Politische Ökonomie sowie Theologie und Kulturwissenschaft.

Anspruch und Ziele

Ein grundlegender Bestandteil der wissenschaftlichen Grundlagenforschung am ZOiS ist die detaillierte Arbeit vor Ort. Wir verknüpfen qualitative und quantitative Methoden, arbeiten mit Interviews, Befragungen und Textanalysen und betreten auch in der Feldforschung neue Wege, etwa durch die Einbeziehung künstlerischer Forschung.

Bei der wissenschaftlichen Arbeit allein soll es jedoch nicht bleiben. Wir möchten uns am öffentlichen Diskurs beteiligen, bestehende Debatten mitgestalten und neue Sichtweisen auf und aus Osteuropa einbringen. Die am ZOiS gewonnenen Erkenntnisse werden regelmäßig in verschiedenen Veranstaltungs- und Publikationsformaten an Politik, Medien und die interessierte Öffentlichkeit vermittelt. Die Osteuropaforschung ist auf neue Perspektiven und Offenheit für ungewohnte Themen angewiesen. Ein weiteres zentrales Anliegen des ZOiS ist in diesem Zusammenhang auch die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Für das ZOiS ist Osteuropa jedoch mehr als nur ein Forschungsobjekt. Wir setzen uns aktiv mit der in der Region generierten Forschung auseinander und kooperieren mit osteuropäischen, aber auch anderen internationalen Wissenschaftler*innen, beispielsweise bei Publikationen und Veranstaltungen. Nicht zuletzt versteht sich das ZOiS als ein Ort der Vernetzung und des Austauschs für Universitäten, Forschungsinstitute, Think Tanks, Stiftungen und andere Organisationen mit Osteuropabezug.