Russland²

Projektkoordination: Prof. Dr. Gwendolyn Sasse

Immer wieder legen Meinungsumfragen in Deutschland sowie Äußerungen ostdeutscher Politiker*innen nahe, dass sich die Russlandansichten in Ost- und Westdeutschland deutlich voneinander unterscheiden. Die Bevölkerung und Politiker*innen in Ostdeutschland scheinen positiver gegenüber Russland eingestellt zu sein. So scheinen sie sich mehr Kooperation Deutschlands mit Russland zu wünschen, die derzeitigen Sanktionen der EU abzulehnen bzw. abschwächen zu wollen und Russland weniger als ein konkretes Sicherheitsrisiko für Deutschland oder die EU zu sehen. Auch das politische System und der Präsident Russlands, Vladimir Putin, scheinen in Ostdeutschland auf weniger Kritik zu stoßen als in Westdeutschland. Im öffentlichen Diskurs finden sich Spekulationen über die möglichen Ursachen dieser Russlandaffinität in Ostdeutschland. Diese kreisen vor allem um die angebliche Prägung eines positiven Russlandbildes zu DDR-Zeiten sowie das Gefühl einer Verbundenheit bzw. eine Art Nostalgie. Solche Erklärungen wirken verkürzt im Hinblick auf die Diversität der Erfahrungen mit „Moskau“ und „den Russen“ zu DDR-Zeiten.

Das Projekt versucht, diese persönliche Ebene in ihrer Bandbreite und Bedeutung für heutige Einstellungen nachzuvollziehen. Wie direkt war der Kontakt mit der Sowjetunion und dem sowjetischen System in der ehemaligen DDR? Welche persönlichen Kontakte gibt es heute nach Russland? Spiegelt die Russlandaffinität eventuell auch etwas ganz Anderes wider, das nur bedingt mit Russland zu tun hat? Wie verbinden sich zum Beispiel die eigenen Erfahrungen mit den deutschen Transformationsprozessen seit 1989 mit den heutigen Einschätzungen zu Russland? Ziel des Projekts ist es, die unterschiedlichen Russlandansichten in Ost- und Westdeutschland zu hinterfragen und auf ihre Argumentationsmuster hin zu untersuchen. Das Projekt verbindet eine quantitative Datenerhebung mit Fokusgruppen an verschiedenen Orten in Ost- und Westdeutschland, die anhand eines Leitfadens und interaktiver und assoziativer Elemente Einblicke in die Argumentationsmuster hinter Russlandaffinitäten in Ost- und Westdeutschland ermöglichen.