Phantomräume und -grenzen – Kontinuitäten und Diskontinuitäten vergangener staatlicher und imperialer Ordnungen

Projektkoordination: Dr. Sabine von Löwis

Wahlergebnisse, Architektur, Geburtenstatistiken und viele andere Indikatoren gesellschaftlichen und politischen Lebens zeugen von vergangenen sozialräumlichen und politischen Ordnungen. Nicht zuletzt ist die Teilung Deutschlands und deren Hinterlassenschaften in Wirtschaftsstrukturen, Ausstattung mit sozialer Infrastruktur wie Kindergärten, politischen Einstellungen oder religiösen Überzeugungen immer wieder Thema in aktuellen gesellschaftlichen Debatten auch oder gerade nach 30 Jahren Mauerfall.

Aber nicht nur in Deutschland lösen diese vermeintlichen Spuren Fragen bezüglich ihrer Erklärung und Bedeutung aus. Insbesondere in Osteuropa, wo sich in den vergangenen 150 Jahren die Grenzen und territorialen Ordnungen häufig geändert haben und neue Staaten aus alten Staaten und Imperien hervorgegangen sind, trifft man immer wieder auf ähnliche Phänomene. Ein Beispiel ist die Teilungszeit Polens, die in unterschiedlichen Wahlergebnissen seit 1989 regelmäßig wieder aufscheint. Basierend auf dem Ansatz der „Phantomgrenzen“ (Hirschhausen et. al. 2014) werden im Rahmen des Projekts die Bedeutungen unterschiedlicher Spuren wie die Bebauung und Erschließung des Raums, Normen und Institutionen, kulturelle Repräsentationen sowie gesellschaftliches und politisches Verhalten analysiert und raum- und gesellschaftstheoretisch erklärt. Die Herangehensweise setzt sich kritisch mit oftmals verwendeten historischen und territorialen Determinismen auseinander und sucht Erklärungen insbesondere in aktuellen Ereignissen und Entwicklungen der Gesellschaften sowie historischen Konstellationen.