Neue Versuchsanordnung im „Laboratorium der Völkerfreundschaft“. Die Situation der nationalen Minderheiten in Kasachstan

Projektkoordination: Dr. Beate Eschment

Die Republik Kasachstan ist ein Vielvölkerstaat. Zwar haben in den vergangenen 25 Jahren viele Vertreter*innen nichtkasachischer Nationalitäten das Land verlassen, dennoch sind auch heute noch ca. 30 Prozent der Bevölkerung keine Kasach*innen, sondern Angehörige von mehr als 100 verschiedenen Nationalitäten, die abgesehen von wenigen lokalen Alltagskonflikten friedlich zusammenleben.

Die Aufmerksamkeit der Forschung konzentriert sich seit 1991 fast ausschließlich auf die Situation der beiden größten Ethnien des Landes, der Kasachen und Russen, und dies zunehmend unter dem Stichwort „Kasachisierung“. Wie aber die staatliche Nationalitätenpolitik im Detail aussah, welche Wirkung sie auf die Situation der vielen anderen Betroffenen hat(te) und wie sie von ihnen beurteilt wird, ist bislang praktisch nicht untersucht. Auch über die sehr unterschiedliche Ausgangslange und Entwicklung vieler Nationalitäten Kasachstans ist wenig bekannt. In ihrem Projekt untersucht Beate Eschment welche Rolle die nationalen Interessenvertretungen und die „Versammlung des Volkes Kasachstans“ einerseits für das bisher friedliche Zusammenleben und andererseits für die Identitätsbildung der Nationalitäten (als Angehörige ihrer Ethnie sowie als Kasachstaner*innen) spielen. Dies erfolgt mithilfe unterschiedlicher Methoden, vor allem durch Interviews mit Vertreter*innen verschiedener Nationalitäten und Expert*innen, einer diskursanalytischen Untersuchung ihrer Publikationen und Redebeiträge sowie teilnehmender Beobachtung vor Ort.

Ziel des Projektes ist es, einen Beitrag zum Verständnis der staatlichen Nationalitätenpolitik zu leisten, die aktuelle Situation ausgewählter Nationalitäten zu beleuchten und letztendlich ein begründetes Urteil über die Perspektiven für ein weiterhin friedliches Zusammenleben der Kasachstaner*innen abgeben zu können.