Mikrogeographien von Konfliktkonstellationen im südwestlichen postsowjetischen Raum

Projektkoordination: Dr. Sabine von Löwis

Nebeneinander von Konflikt und Alltag in Donezk in der Ostukraine. © Konstantin Chernichkin/ n-ost

Das Projekt untersucht, wie Konflikte im postsowjetischen Raum, die vorrangig auf der Ebene der internationalen Beziehungen und im geopolitischen Diskurs verhandelt und betrachtet werden, sich im Alltag der betroffenen Menschen wiederspiegeln und welche Rolle sie dort spielen.

Die Makro- und Mesoperspektive bilden einen zentralen Zugang und Rahmen für das Verständnis der Konflikte; gleichwohl – und dies ist zentral für die hier eingenommene Perspektive – sind alle Ebenen interaktiv. Um den Raum und die dort lebenden Menschen besser zu verstehen, ist es wichtig, deren Wissen und Erfahrungen sowie Einstellungen einzubinden und zu analysieren. Im Projekt soll deshalb die Mikroebene, d.h. das Alltagsleben der Konflikte analysiert werden: Wie findet Alltag im Kontext von Konfliktsituationen statt und in welcher Beziehung steht er zu geopolitischen Diskursen um die Konflikte.

Leben im Krieg: In einer Schule unweit der Frontlinie im Osten der Ukraine werden Sandsäcke zum Schutz vor Schüssen verteilt. © Florian Bachmeier/ n-ost

Dabei soll die Perspektive der Bevölkerung, die mit den politischen Konfliktkonstellationen konfrontiert ist und in diesen lebt, beleuchtet werden. In der Analyse wird ein Fokus auf die Normen, Werte und Praktiken der betroffenen Bevölkerungen gelegt. Von Bedeutung wird sein, die Erfahrungswelten unterschiedlicher Generationen, aber auch ihre alltagsweltlichen Verflechtungen und ihren Wandel aufgrund veränderter staatlicher bzw. de-facto staatlicher Konstellationen zu untersuchen. Schließlich soll aber auch in Betracht gezogen werden, welchen Rahmen diese staatlichen Formen für den Alltag setzen. Erkenntnisleitend ist die Frage, wie und ob die Ergebnisse die Sicht auf diese Konflikte verändern und einen Beitrag zu den Lösungsansätzen leisten können.

Empirisch sollen in Fallstudienregionen im südwestlichen postsowjetischen Raum mikrogeographische Analysen durchgeführt werden, d.h. längere Vorortaufenthalte mit teilnehmender Beobachtung, leitfadenbasierten Befragungen, offenen Gesprächen, Experteninterviews und Quellenrecherchen.