Geschichte für junge Menschen: Historische Narrative und ihre Perzeption

Projektkoordination: Dr. Félix Krawatzek und Dr. Nina Frieß

Geschichtsnarrative sind die wahrscheinlich wichtigste Ressource für die Herausbildung kollektiver Identitäten. Wie eine Gruppe – eine Familie, eine Region oder eine Nation – ihre eigene Geschichte erzählt, hat Auswirkungen darauf wie diese Gruppe über sich selbst nachdenkt und welche politischen und gesellschaftlichen Handlungsoptionen ihr angemessen erscheinen. Entsprechend haben politische und gesellschaftliche Autoritäten ein Interesse daran, Geschichtsbilder zu vermitteln, die ein in ihren Augen richtiges Handeln evozieren. Ein wichtiger Adressat sind hierbei Kinder und Jugendliche, da ihre Einstellungen und Werte in besonderem Maße als noch formbar gelten.

In dem interdisziplinären Projekt untersuchen wir, welchen historischen Narrativen junge Menschen in Russland ausgesetzt sind. Der zeitliche Schwerpunkt liegt dabei auf der russischen bzw. russisch-sowjetischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Dafür analysieren wir, wie russische Geschichte in aktuellen Geschichtsbüchern, in literarischen Texten und Filmen erzählt wird, welche Ereignisse besonders hervorgehoben und was ggf. ausgelassen wird. Zudem untersuchen wir in repräsentativen Umfragen und Fokusgruppeninterviews, welche Geschichtsbilder junge Menschen tatsächlich haben.

Die Verbindung kultur- und sozialwissenschaftlicher Herangehensweisen wird oft gefordert, aber noch zu selten umgesetzt. In unserem Projekt wollen wir das ändern und versprechen uns davon neue Erkenntnisse zu den Produktionslogiken historischer Narrative und ihrer Wirkmächtigkeit. Darüber hinaus ist es unser Ziel, Entwicklungen in Russland vergleichend einzuordnen. Durch den Vergleich möchten wir die Auswirkungen der weit verbreiteten geschichtspolitischen Maßnahmen besser verstehen.