Georgische Migrant*innen in Deutschland: Die Auswirkungen sozialer Transfers auf Ungleichheitsformen im Herkunftsland

Projektkoordination: Diana Bogishvili

Nach dem Zerfall der Sowjetunion und Georgiens Unabhängigkeitserklärung 1991 hat das Land zahlreiche politische Krisen erlebt. Diese hatten gravierende Folgen für die Wirtschaft und waren damit ein Faktor für die Migration vieler Georgier*innen in andere Länder. Neben ökonomischen Gründen spielen auch soziale und individuelle Umstände eine Rolle bei der Entscheidung zu migrieren. Migrant*innen unterstützen ihre zurückgebliebenen Angehörigen häufig mit finanziellen Transfers. Jedoch werden daneben auch andere Formen von Transfers in das Herkunftsland vermittelt, etwa Werte, Ideen und Erfahrungen. In ihrem Dissertationsprojekt untersucht Diana Bogishvili am Beispiel von georgischen Migrant*innen in Deutschland insbesondere diese sozialen Formen von Transfers und deren möglichen Einfluss auf soziale Ungleichheitsformen in der Herkunftsgesellschaft.

In der Migrationsforschung wird statt von „internationaler Migration“ heute zunehmend von „grenzübergreifenden Verbindungen“ gesprochen, die die Lebenswelten von Migrant*innen und Nichtmigrant*innen in Einwanderungs- und Auswanderungsländer miteinander verknüpfen. Die neuen grenzüberschreitenden sozialräumlichen Beziehungen haben sichtbare ökonomische, politische und soziokulturelle Auswirkungen auf die Migrant*innen und deren Familien. Geldtransfers – sogenannte remittances – stellen schon seit langem eine wichtige finanzielle Stütze für viele Familien in den Herkunftsländern dar.

Studien zu „social remittances“ fehlen bislang weitgehend, und damit auch das Wissen darüber, wie georgische Migrant*innen Ideen, Praktiken, Einstellungen, Werte, Normen und Überzeugungen, die sie im Ausland kennenlernen, in ihr Herkunftsland transferieren. Die sozialen Transfers können bewusst, aber auch unbewusst weitergegeben werden. Die Beziehungen zwischen Migrant*innen und Nicht-Migrant*innen entwickeln sich – transnationale Erwartungen, Verpflichtungen und Lebensprojekte können als ein Prozess ohne vorher festgelegtes Ergebnis verstanden werden. Allerdings sollte dieser Prozess anhand der individuellen und kollektiven Merkmale von Migrant*innen analysiert und die sozialen Beziehungen in ihrem Herkunftsland berücksichtigt werden. Ein genauer Blick auf die Prozesse, wie Ideen, Praktiken, Normen, Werte, soziales Kapital und Kompetenzen über die Grenzen hinweg übertragen werden, ermöglicht ein besseres Verständnis darüber, wie diese Transfers den sozialen Wandel beeinflussen und diesen in einigen Fällen verhindern.