Drittmittelprojekte

Contestations of the Liberal Script (SCRIPTS)

Mit Beteiligung von Prof. Dr. Gwendolyn Sasse als Principal Investigator, ist das ZOiS Kooperationspartner in dem Exzellenzcluster „Contestations of the Liberal Script (SCRIPTS)“. An dem Cluster sind neben der antragstellenden Freien Universität Berlin sechs weitere Wissenschaftseinrichtungen beteiligt: die Humboldt-Universität zu Berlin, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das German Institute of Global and Area Studies (GIGA), die Hertie School of Governance, das Leibniz-Zentrum Moderner Orient sowie das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH (WZB).

Projektbeschreibung

Das liberale Skript, verstanden als Ideen und institutionelle Vorgaben für die Organisation von Gesellschaften auf der Basis des Kernprinzips individueller Selbstbestimmung, steht unter Druck. Einige der größten Herausforderungen für liberale Demokratien gehen von autoritären Staaten sowie nichtstaatlichen Gewaltakteuren aus, die liberale Werte ablehnen. Innerhalb liberaler Gesellschaften stellen populistische Bewegungen und Parteien die vorherrschende Interpretation liberaler Ideen in Frage. Das liberale Skript sieht sich nicht zum ersten Mal weitreichenden Herausforderungen gegenüber. Es hat sich durch die Auseinandersetzung mit seinen Gegnern innerhalb und außerhalb liberaler Gesellschaften entwickelt. Die gegenwärtigen Herausforderungen überraschen im historischen Vergleich aber insofern, als sie trotz abnehmender Anzahl zwischenstaatlicher Kriege, anhaltender Wachstumsraten und dem Rückgang absoluter Armut in vielen Ländern des globalen Südens, moderater Arbeitslosenzahlen in den meisten Volkswirtschaften des globalen Nordens sowie einer allgemeinen Verbesserung des Human Development Index auftreten.

Das Exzellenzcluster SCRIPTS betrachtet die gegenwärtigen Auseinandersetzungen um das liberale Skript aus einer historischen, globalen und vergleichenden Perspektive mit dem Ziel, Antworten auf drei Fragenkomplexe zu geben:

  • In welchem Maße hinterfragen Herausforderer des liberalen Skripts seinen Kern? Welche Alternativen gibt es zum liberalen Gesellschaftsmodell, und welche normative Wirkungskraft entfalten sie? Wie verhalten sich gegenwärtige Auseinandersetzungen zu früheren Anfechtungen?
  • Welche Ursachen haben diese Auseinandersetzungen? Unter welchen Bedingungen verliert oder gewinnt das liberale Skript an normativer Wirkungskraft, wann steigt die Bedeutung alternativer Skripte? Haben sich die Ursachen für die Herausforderungen des liberalen Skripts über die Zeit verändert?
  • Welche Auswirkungen haben die Auseinandersetzungen um das liberale Skript? Handelt es sich bei den Herausforderungen um temporäre Erscheinungen oder langfristige Entwicklungen, die zum Relevanzverlust des liberalen Skripts führen? Welche Folgen haben die Auseinandersetzungen für Politik, Gesellschaft und Individuen sowie für die globalen Herausforderungen im 21. Jahrhundert?

Um diese Fragen zu beantworten, integriert SCRIPTS Sozialwissenschaften und Regionalstudien mit ihren westlichen und nicht-westlichen Perspektiven, ihren quantitativen und qualitativen Methoden sowie generalisierenden Konzepten und lokalen Wissensbeständen. Das Konzept der doppelten Reflexivität verbindet diese unterschiedlichen Perspektiven. Unser Ziel ist verallgemeinerungsfähiges Wissen, das sich dennoch der Relativität der Wissensproduktion bewusst ist. Dieser Ansatz verbindet unterschiedliche theoretische und methodische Zugänge auf konstruktive Weise. Er erlaubt dem Cluster, neue Antworten und Einsichten auf einige der wichtigsten gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit zu finden.

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Determinants of Mobilisation at Home and Abroad: Analysing the Micro-Foundations of Out-Migration & Mass Protest (MOBILISE)

Auf Antrag von Prof. Dr. Olga Onuch (University of Manchester), Prof. Dr. Jacquelien van Stekelenburg (Vrije Universiteit Amsterdam), Dr. Sorana Toma (ENSAE-CREST, Université Paris Saclay) und Prof. Dr. Gwendolyn Sasse ist das ZOiS an dem Projekt „Determinants of Mobilisation at Home and Abroad: Analysing the Micro-Foundations of Out-Migration & Mass Protest (MOBILISE)“ beteiligt.

Projektbeschreibung

Im Zentrum des MOBILISE Projekts steht die folgende Forschungsfrage: Warum reagieren einige Menschen auf gesellschaftlichen Unmut mit Protesten, während andere in die Emigration gehen? Wir verknüpfen die konzeptuellen Erwartungen aus der Migrationsforschung und der Forschung zu sozialen Protesten miteinander und untersuchen: a) ob es ähnliche Faktoren sind, die die Entscheidung für Migration und/oder Protest auf der Ebene des Individuums bestimmen; b) wie der jeweilige politische, soziale und wirtschaftliche Kontext diese Arten von Mobilisierung beeinflusst; c) ob die Optionen Migration und Protest unabhängig voneinander sind, oder ob sie sich gegenseitig verstärken, oder ob eine Option die andere unterdrückt.

MOBILISE verbindet verschiedene methodologische Ansätze (nationale repräsentative face-to-face Panel-Umfragen, Online-Umfragen unter Migrant*Innen; Direktumfragen unter Protestteilnehmenden, Fokusgruppen, narrative Interviews, Soziale Medien-Analyse) und ein Forschungsdesign, das zeitgleich an verschiedenen Standorten umgesetzt wird. Das Projekt konzentriert sich auf die Ukraine, Polen, Marokko und Brasilien - vier Länder, die in den letzten Jahren sowohl von signifikanter Emigration als auch von Protesten geprägt waren. Wir folgen den Migrant*innen aus diesen Ländern nach Deutschland, Großbritannien und Spanien.

MOBILISE verbindet in seiner Konzeption und empirischen Reichweite vier innovative Elemente:

  • Es verbindet die Phänomene Migration und Protest in einer Studie;
  • es erfasst alle für eine vergleichende Studie relevanten Gruppen (Protestierende, Migrant*innen, Migrant*innen, die protestieren, und Individuen, die sich weder für Migration noch für Protest entschieden haben);
  • es erfasst Individuen durch die Panel-Struktur der Umfragen über einen längeren Zeitraum hinweg;
  • es nutzt Soziale Medien als Zugang zu Echtzeit-Informationen über die Rolle von Netzwerken und politischen Transfers (political remittances).

Durch diese vier Dimensionen verspricht das Projekt, erstmals in diesem Umfang empirische Daten zu erheben, einen wichtigen Beitrag zur Theoriebildung in der Migrations- und Protestforschung zu leisten sowie einen Transfer von empirischen Erkenntnisse an Policy-Makers zu ermöglichen, die von zentraler Bedeutung für politische und wirtschaftliche Stabilität sind.

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Die Verbreitung von Erinnerungsgesetzen und die Rückkehr der Nation

Dr. Félix Krawatzek hat sich erfolgreich beim „Stipendienprogramm für Postdoktoranden“ der Daimler und Benz Stiftung beworben. Damit erhält er eine Förderung in Höhe von 40.000 Euro für sein ZOiS-Forschungsprojekt „Die Verbreitung von Erinnerungsgesetzen und die Rückkehr der Nation“.

Projektbeschreibung

Bei einem Teilprojekt im Rahmen des ZOiS-Forschungsprojekts Die Verbreitung von Erinnerungsgesetzen und die Rückkehr der Nation soll der Fokus auf Russland gelegt werden. Erinnerungsgesetze werden von Russland aktiv genutzt, um das geschichtliche Narrativ im Land zu kontrollieren und die eigene nationale Identität zu stärken. Sie geben damit einen rechtlichen Rahmen vor, der bestimmt, wie öffentlich über historische Ereignisse gesprochen werden kann. Solche Gesetze existieren jedoch nicht nur in autoritären Regimen, sondern auch in Demokratien. Das Projekt soll dazu beitragen, die politischen Dynamiken hinter der Verrechtlichung von Erinnerung und ihre gesellschaftliche Auswirkung zu verstehen. Die Drittmittel werden unter anderem  für die Erstellung einer Datenbank über Erinnerungsgesetzgebung und die Durchführung einer Umfrage in Russland genutzt.