Warum wir in Deutschland ein neues Institut für Osteuropaforschung brauchen

Um die notwendige Expertise nachhaltig und langfristig bereitzustellen, hat der Deutsche Bundestag im Dezember 2015 die Gründung eines unabhängigen Instituts für Osteuropaforschung beschlossen.

Deutschland und die EU sind in der Politik gegenüber Russland und der östlichen Nachbarschaft besonders herausgefordert. Die deutsche Forschung zu aktuellen Dynamiken in Osteuropa ist seit 1989 rückläufig. Auf den Bedarf an anwendungsorientiertem Wissen über Osteuropa weist die Fachwelt seit Jahren hin. In der gegenwartsbezogenen Forschung, der Soziologie, Ökonomie und Politologie sind große Lücken entstanden (s. Bericht des Wissenschaftsrats von 2006 und Empfehlungen von 2013). Nachwuchs mit besonderen Regionalkenntnissen gibt es in diesen Disziplinen kaum mehr.

„Wir wollen die Russland- und Osteuropakompetenz in Deutschland auf eine solide Grundlage stellen. Dazu wollen wir die wissenschaftlich-analytische Expertise über diese Region stärken.“ (Deutschlands Zukunft gestalten. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD. 18. Legislaturperiode, 13.12.2013, S.169)

Entwicklungen in Osteuropa folgen vielfach einer Binnenlogik. Spezifische Wahrnehmungen der Außenwelt, Besonderheiten der Gesellschaftsstruktur und des politischen Systems, der Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen prägen das Verhalten der Staaten in dieser Region. Nur dezidierte Regionalforschung kann das Wissen bereitstellen, um politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen zu erklären.

Die Gründung eines neuen Instituts, des „Zentrums für Osteuropa- und internationale Studien“ (ZOIS), das in Zusammenarbeit mit Institutionen im In- und Ausland die Kompetenzlücke schließt, soll nach innen und außen ein deutliches Signal setzen, dass die Bundesrepublik die Gestaltung der Beziehungen zu Russland und Osteuropa ernst nimmt und als langfristige Aufgabe betrachtet.